S. R. HERMANN · Hermann Books

Modell

Die „Treppe“: Der schrittweise Umgang mit einer großen Position

Die Treppe ist die Antwort, die Reich auf dem Papier auf die Frage „Wann denn nun verkaufen?“ gibt: an keinem einzelnen Zeitpunkt, sondern über viele hinweg, nach einer vorher festgelegten Regel.

Sie setzt voraus, dass der Zaun gedacht ist. Und sie beginnt mit einer Selbstkorrektur: Das Bild der Treppe ist irreführend, und die Irreführung steckt schon im Bild.

Warum die Treppe keine Treppe ist

Eine Treppe im Bilderbuch hat gleich hohe Stufen in gleichem Abstand, und man steigt sie in ruhigem Schritt. So verläuft kein Markt. Zwischen zwei Verdopplungen können vier Monate liegen oder vier Jahre. Sie kommen nicht einzeln und regelmäßig, sondern in Schüben: Über lange Zeit geschieht wenig, dann geschieht in wenigen Monaten alles.

Und was zwischen den Stufen liegt, ist meist keine Pause, sondern ein Rückgang — oft ein tiefer. In schwankungsfreudigen Märkten sind Einbrüche um vier Fünftel kein Ausnahmefall, sondern wiederkehrender Bestandteil des Verlaufs.

Die wirkliche Kurve ist keine Treppe. Sie ist eine Zickzacklinie mit langen Seitwärtsstrecken, senkrechten Sprüngen und Abgründen dazwischen.

Das ist kein Einwand gegen das Verfahren, aber einer gegen das Bild. Wer sich die Treppe als gleichmäßigen Aufstieg denkt, plant für einen Verlauf, den es nicht gibt. Was übrig bleibt, wenn man das Bild korrigiert, ist kein Zeitplan, sondern ein Mechanismus — und der heißt Sperrklinke.

Eine Sperrklinke lässt sich in die eine Richtung drehen und in die andere nicht. Sie sagt nichts darüber, wie schnell oder wie oft gedreht wird; sie sorgt nur dafür, dass nichts zurückläuft. Genau das leistet eine gute Ausstiegsregel: Sie sagt nicht voraus, wann die Stufen kommen — das kann niemand —, sondern sie stellt sicher, dass jede erreichte Stufe zu einem Teil unwiderruflich wird.

Es geht nicht um den gleichmäßigen Schritt. Es geht darum, dass es kein Zurück gibt.

Zweiteiliges Schaubild. Oben ein logarithmisch dargestellter Kursverlauf über acht Jahre: kein gleichmäßiger Aufstieg, sondern Schübe, Seitwärtsstrecken und tiefe Einbrüche; Kreise markieren die Verkäufe bei 2x, 4x, 8x, 16x, 32x und 64x. Unten der gesicherte Sockel als Treppenkurve, die nur steigt oder stillsteht und nie fällt.
Abbildung 1 aus „Reich auf dem Papier“ — Die Sperrklinke Oben der Kurs: kein gleichmäßiger Aufstieg, sondern Schübe, Seitwärtsstrecken und Einbrüche; die Kreise markieren die Verkäufe, jede Marke nur einmal. Unten der gesicherte Sockel — er steht still oder wächst, aber er fällt nie. Genau darin, und nicht in regelmäßigen Stufen, liegt die Leistung des Verfahrens. Verlauf und Zahlen illustrativ, keine Prognose.

Die drei Fragen, die jede Regel beantworten muss

Damit lässt sich sagen, was eine brauchbare Regel überhaupt enthalten muss. Die dritte Frage wird fast immer vergessen.

  1. Woran hängt die Stufe?

    Drei Formen sind gebräuchlich: am Kurs (etwa Verdopplungen gegenüber dem Einstand), am Kalender (feste Abstände, fester Anteil) oder an der Quote — dem Anteil der Position am Gesamtvermögen.

  2. Wie viel je Stufe?

    Hier wird der folgenreichste Fehler gemacht. Die Zahlen dazu stehen weiter unten.

  3. Was gilt, wenn der Kurs zurückkommt?

    Die vergessene Frage. Wer sie nicht vorher beantwortet hat, beantwortet sie im Moment — und damit ist der ganze Sinn der Regel dahin.

Die Regel für den Rückweg

Die Antwort ist so einfach wie streng: Eine genommene Stufe ist verbraucht. Sie wird nur einmal genommen, gleichgültig wie oft der Kurs die Marke später noch durchschreitet.

Der Grund liegt auf der Hand, sobald man sich das Gegenteil ausmalt. Eine Position, die dreimal über dieselbe Marke steigt und dreimal darunter fällt, würde bei jeder Überquerung ein Stück Anteile kosten, ohne dass sich in der Sache irgendetwas verändert hätte. Nach einigen Jahren des Hin und Her hätte man sich lautlos aus einer Position hinausverkauft, die genau dort steht, wo sie schon immer stand. Das ist keine Ausstiegsstrategie, das ist eine Mühle.

Praktisch heißt das: eine Liste der Stufen führen und abhaken. Die abgehakte Stufe ist erledigt, für immer. Und der Umkehrschluss gilt ebenso — fällt der Kurs, wird nichts zurückgekauft. Die Sperrklinke dreht nur in eine Richtung, sonst ist sie keine.

Was die Treppe kostet

Nun die Zahl, die in den meisten Darstellungen fehlt, obwohl sie die wichtigste ist. Je Stufe klingt sie harmlos: Ein Viertel abgeben heißt, drei Viertel behalten. Nur multipliziert sich das.

Anteil der Position, der nach n Verdopplungen noch gehalten wird.
Entnahme
je Stufe
1×2×3× 4×5×6× 8×
5 %95,0 %90,2 %85,7 %81,5 %77,4 %73,5 %66,3 %
10 %90,0 %81,0 %72,9 %65,6 %59,0 %53,1 %43,0 %
15 %85,0 %72,2 %61,4 %52,2 %44,4 %37,7 %27,2 %
20 %80,0 %64,0 %51,2 %41,0 %32,8 %26,2 %16,8 %
25 %75,0 %56,2 %42,2 %31,6 %23,7 %17,8 %10,0 %

Bei einem Viertel je Verdopplung sind nach sechs Stufen noch 17,8 Prozent der ursprünglichen Anteile vorhanden — gut ein Sechstel. Bei einem Zehntel sind es 53 Prozent, bei einem Zwanzigstel 73 Prozent.

Diese Zahlen hängen von keinem Kurs ab, von keinem Markt und von keiner Prognose. Sie folgen allein aus der Regel selbst — und deshalb kann und sollte man sie kennen, bevor man sich für eine entscheidet.

Die Treppe kostet, und im günstigen Fall kostet sie ein Vermögen.

Warum man den Preis immer erst hinterher sieht

Und nun der Einwand gegen den Einwand — der eigentliche Kern. Jede solche Rechnung lässt sich nur deshalb anstellen, weil die Position gestiegen ist. Sie ist eine Rechnung über einen Gewinner, aufgestellt von jemandem, der bereits weiß, dass es ein Gewinner war.

Vorher wusste das niemand. Es gab eine große Zahl von Anlagen, die genauso aussahen, genauso begeisterte Anhänger hatten und genauso überzeugende Begründungen — und von denen die meisten heute nichts mehr wert sind. Wendet man dieselbe Regel auf diese an, dann hat sie nicht ein Vermögen gekostet. Sie hat alles gerettet, was überhaupt noch zu retten war.

Der Preis der Treppe ist deshalb nur bei den Gewinnern sichtbar, ihr Nutzen nur bei den Verlierern. Da über Gewinner geredet wird und über Verlierer geschwiegen, entsteht der beständige Eindruck, das Sichern sei ein Fehler gewesen. Es ist derselbe Eindruck, den man von Versicherungen hat, solange nichts passiert ist.

Die Treppe ist keine Renditestrategie. Sie ist eine Versicherung.

Die Frage lautet nicht: Was hätte die Regel bei diesem Verlauf gekostet? Sie lautet: Was hätte sie bei allen Verläufen gekostet, die ebenso möglich waren? Versicherungen kosten Geld, immer, und sie fühlen sich rückblickend fast immer überflüssig an. Genau daran erkennt man sie.

Zwei Ausgänge, dieselbe Regel

Am deutlichsten wird es, wenn man zwei Verläufe nebeneinanderlegt, die acht Jahre lang völlig gleich sind und sich erst danach trennen. Beide beginnen mit demselben Betrag, halten dieselbe Position und folgen derselben Regel: auf jeder Verdopplung ein Zehntel der verbliebenen Anteile, jede Stufe nur einmal. Nach acht Jahren sind sechs Stufen genommen — bis hierher ist alles identisch.

Zwei Szenarien übereinander, jeweils logarithmisch. Szenario A: der Kurs bricht nach acht Jahren ein — ohne Zaun bleiben 500 Euro, mit Zaun 207.000 Euro. Szenario B: der Kurs steigt weiter auf das Hundertfache — ohne Zaun 2,50 Millionen, mit Zaun 1,53 Millionen. Die ersten acht Jahre sind in beiden Fällen grau hinterlegt und identisch.
Abbildung 2 aus „Reich auf dem Papier“ — Zwei Ausgänge, dieselbe Regel Beide Verläufe sind acht Jahre lang identisch — grau hinterlegt — und trennen sich erst danach. Oben kostet der Verzicht auf den Zaun praktisch alles; unten kostet der Zaun 39 Prozent des Ergebnisses. Modellrechnung mit 25.000 Euro Einsatz und einem Zehntel Entnahme je Verdopplung; Verlauf und Zahlen illustrativ, keine Prognose.

Die Zahlen sind in beide Richtungen ernüchternd, und man sollte beide aushalten. Im schlechten Fall steht der, der alles gehalten hat, am Ende bei 500 Euro; der Regelfolger bei rund 207.000. Das ist der Unterschied zwischen einem gesicherten Leben und nichts. Im guten Fall steht der Halter bei 2,5 Millionen, der Regelfolger bei gut 1,53 Millionen — der Zaun hat ihn knapp eine Million gekostet.

Was hat der Zaun also gebracht? Die ehrliche Antwort: Im guten Fall hat er nichts gebracht und viel gekostet. Im schlechten Fall war er alles. Entscheidend ist nicht die eine oder die andere Zahl, sondern ihr Verhältnis. Auf der einen Seite steht ein Verlust von 39 Prozent eines ohnehin großartigen Ergebnisses. Auf der anderen der Unterschied zwischen Vermögen und Ruin. Das sind keine gleich großen Einsätze, die man gegeneinander abwägen müsste.

Und man beachte, welche der beiden Zahlen man vorher kennt: keine. Am Tag der ersten Verdopplung sehen beide Verläufe genau gleich aus, denn sie sind es. Die Regel muss gefasst werden, solange man nicht weiß, in welchem der beiden Bilder man sich befindet — das ist der ganze Grund, warum es eine Regel braucht und keine Einschätzung.

Die Treppe hat zwei Phasen

Daraus folgt der eigentliche Zuschnitt des Verfahrens — und er löst nebenbei das Problem der ungleichmäßigen Stufen. Die Treppe ist nicht ein Verfahren, sondern zwei. Der Übergang liegt am Zaun.

Wer beide Phasen zusammennimmt, braucht keine gleichmäßige Treppe mehr: Bis der Zaun steht, wird auf Stufen verkauft, streng und zügig. Danach auf Quote, gelassen und ohne Blick auf den Einstand.

Welcher Satz — und warum weniger oft mehr ist

Aus der Tabelle folgt eine Faustregel, die den meisten Darstellungen widerspricht: Für eine Position, von der man annimmt, dass sie sich noch mehrfach vervielfachen könnte, sind Sätze von einem Viertel je Verdopplung sehr aggressiv — sie zehren die Position in wenigen Stufen auf. Sätze zwischen fünf und zehn Prozent erhalten den größten Teil der Beteiligung und bringen trotzdem erhebliche Summen in Sicherheit, weil die Beträge mit jeder Stufe größer werden.

Wer es feiner mag, kann den Satz mit der Höhe steigen lassen: unten wenig abgeben, weil dort das meiste Wachstum noch bevorsteht, oben mehr, weil dort das Rückschlagrisiko am größten ist. Das ist die aufwendigere Form; nötig ist sie nicht.

Zwei Bedingungen gelten unabhängig vom Satz. Erstens: Der Erlös darf nicht liegenbleiben. Wer verkauft und das Geld auf dem Girokonto lässt, hat das Risiko abgegeben und nichts dafür bekommen — das Gesicherte gehört hinter den Zaun in etwas breit Gestreutes, Langweiliges. Ein großer Teil der Rechnungen, die den Ausstieg schlecht aussehen lassen, rechnet mit unverzinstem Bargeld. Zweitens: Ein kleiner Satz, den man durchhält, ist mehr wert als ein großer, den man beim ersten Rausch aussetzt.

Eine einzelne Stufe muss außerdem nicht ein einziger Verkauf an einem einzigen Tag sein. Bei einem großen oder dünn gehandelten Bestand ist es klüger, auch sie über mehrere Tage in Portionen aufzuteilen, damit das eigene Verkaufen den Preis nicht verdirbt.

Regelfolger und Ideologe

Zwei Haltungen stehen sich gegenüber. Der eine folgt einer Regel und sichert unterwegs, Stufe um Stufe. Der andere hält alles und verkauft nie — nennen wir ihn den Ideologen. Am Höchststand steht der Ideologe scheinbar weit vorn, und wer an diesem Tag urteilte, gäbe ihm recht.

Der Wertspeicher-Einwand

Sein Argument ist nicht dumm: Meine Position ist etwas Besonderes, ein Wertspeicher; sie ist bisher immer wieder gestiegen; und warum sollte mein gesicherter Betrag in einer Währung liegen, die selbst an Wert verliert?

Zwei Teile davon sind richtig, und das Buch gesteht sie ausdrücklich zu. Der gesicherte Bereich muss nicht aus Bargeld bestehen — er darf breit gestreut in verschiedene beständige Werte gehen. Und man darf von einer Anlage überzeugt sein, aus guten Gründen, über lange Zeit; nichts verlangt, den Glauben abzulegen.

Falsch ist allein der Schluss. „Bisher immer gestiegen“ ist kein Naturgesetz, sondern eine Aussage über die Vergangenheit, und die verpflichtet die Zukunft zu nichts. Und selbst wenn die Überzeugung zuträfe, bleibt die Position ein Klumpenrisiko, solange sie fast das ganze Vermögen ist.

Ein wunderbares Gut, das alles ist, was man hat, ist immer noch alles, was man hat.

Die vier Risiken, die dabei übersehen werden

Den fallenden Kurs nimmt der Ideologe bewusst in Kauf — das ist das laute Risiko, und über das weiß er meist Bescheid. Um es herum stehen vier leise, die er nie beziffert hat. An ihnen scheitern Menschen tatsächlich.

Die Zeit, die er nicht hat
Die Erholung hat keinen Fahrplan. Ein Markt kann jahrelang unter einem alten Höchststand liegen — manchmal länger, als dem Halter Zeit bleibt. Ein Rückgang um vier Fünftel mit fünfunddreißig, neben einem laufenden Gehalt, ist zu überstehen; derselbe Rückgang mit achtundsechzig, wenn die Position den Rest des Lebens tragen soll, wird vielleicht nie wieder gutgemacht. Wer alles hält, wettet stillschweigend auf unbegrenzte Zeit und unbegrenzte Geduld.
Der stille Verlust
Selbst der gute Ausgang ist nicht, was er scheint. Hat die Rückkehr zum alten Höchststand Jahre gedauert, hat die Geldentwertung einen Teil davon aufgezehrt: „wieder bei null“ ist real ein Minus. Er kann dem Namen nach bestätigt und in Wahrheit ärmer geworden sein — ein Verlust, den er nie verbucht, weil auf dem Bildschirm dieselbe Zahl steht wie am Anfang.
Das Leben, das nebenher nicht stattfand
Das ungesicherte Geld stand für all das nicht zur Verfügung, was es hätte werden können: ein abbezahltes Haus, ein zweites Standbein, die Freiheit, weniger zu arbeiten. Der Ideologe zählt nur den Gewinn, den er durch Verkaufen verpassen könnte. Den er durch Nicht-Verkaufen mit Sicherheit verpasst, zählt er nie.
Der eigene Ausfall
Am seltensten bedacht: Er könnte fehlen, wenn die Position sich endlich auszahlt. Stirbt er oder wird handlungsunfähig, während alles in einer einzigen schwankenden, vielleicht schwer verkäuflichen, vielleicht selbst verwahrten Sache steckt, erben die Seinen kein Vermögen, sondern ein Problem: einen erzwungenen Verkauf zur Unzeit, eine Steuerrechnung ohne das Geld, sie zu zahlen — oder einen Satz Schlüssel, den niemand findet. Zur Nachfolge

Diese vier stehen nicht auf dem Bildschirm. Der Absturz ist laut, diese sind leise — und gerade deshalb zählt der Ideologe sie meist erst, wenn sie eingetreten sind. Das ist der Unterschied zwischen einem Risiko, das man trägt, und einem, dem man ausgeliefert ist.

Recht behalten oder überleben

Der Ideologe kann am Ende recht behalten — seine Sache kann sich über Jahrzehnte großartig entwickeln — und trotzdem verloren haben, wenn ihn vorher eines der stillen Risiken einholt.

Überleben kommt vor Rechthaben, immer. Denn nur der Überlebende erlebt die Zukunft, in der er recht bekäme.

Und hier liegt die Symmetrie, die das Kapitel von jeder Parteinahme freihält: Die Position ist ein Mittel, kein Bekenntnis — und das gilt in beide Richtungen. Der Ideologe, der niemals verkauft, macht die Sache zum Glaubensartikel. Genauso irrt aber der, der aus Prinzip alles verkauft und über die Halter spottet. Beide haben aus einer nüchternen Frage ein Bekenntnis gemacht, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Der Regelfolger glaubt weder das eine noch das andere. Er hält einen Teil und verkauft einen Teil, nach Regel, ohne die Sache lieben oder hassen zu müssen. Das ist keine lauwarme Mitte, sondern die Weigerung, aus einer Geldfrage eine Frage der Identität zu machen.

Der Plan in einem Satz

So verzweigt die Überlegungen sind, das Verfahren selbst lässt sich in einem Satz sagen — kurz genug, dass er auf eine Karte passt:

Sichere zuerst einen festen Lebensbetrag und verwette ihn nie wieder; nimm dafür auf jeder erreichten Stufe einen festen, eher kleinen Anteil heraus, jede Stufe nur einmal; und halte danach die Position auf einer Quote, die du an einem ruhigen Tag festgelegt hast.

Die Kürze ist kein Schmuck, sondern Absicht. Ein Plan, den man in einem Atemzug aussprechen kann, ist ein Plan, den man auch im Sturm noch erinnert. Ein Plan, für den man ein Blatt Papier und zehn Minuten braucht, ist im entscheidenden Moment nicht da.

Die einzige Disziplin, die zählt

Die Regel wird in Ruhe gefasst, aufgeschrieben, mit Datum. Ändern darf man sie — Leben ändert sich —, aber bewusst, an einem ruhigen Tag, schriftlich, und nie in dem Augenblick, in dem eine Stufe erreicht ist und das Gefühl nach einer Ausnahme ruft.

Zu hüten ist man sich vor der beliebtesten Ausnahme: „Ich fange die Treppe einfach höher wieder an.“ Das ist keine neue Regel, das ist die alte, aufgehoben im Moment ihrer Bewährung. Und vor ihrer Schwester: „Die Regel kostet ja nachweislich Rendite.“ Das stimmt — es steht oben in der Tabelle — und es ändert nichts. Man schließt nicht ab, um zu gewinnen, sondern um nicht zu verlieren, was man nicht verlieren darf.

Ein Wort der Ehrlichkeit gehört dazu: Die Treppe wird fast sicher ärgern. Geht es weiter nach oben, bereut man jeden Verkauf; geht es nach unten, bereut man, nicht mehr verkauft zu haben. Beides ist der Beweis, dass sie wirkt, nicht dass sie versagt. Sie ist so gebaut, dass man immer ein wenig zu früh und ein wenig zu spät zugleich handelt — der Preis dafür, nie ganz falsch zu liegen.

Was die Treppe nicht ist

Sie ist keine Handlungsanweisung. Die Tabelle oben zeigt, was verschiedene Sätze rechnerisch bewirken — sie empfiehlt keinen. Welcher Satz, welche Marken und welche Quote für eine konkrete Person taugen, hängt an Umständen, die eine Website nicht kennt.

Sie ist keine Aussage über Märkte. Das Verfahren funktioniert gerade deshalb, weil es keine Erwartung enthält. Es ist prognosefrei.

Sie ist keine Steueroptimierung. Das Buch behandelt die steuerliche Seite getrennt und hält die Reihenfolge auch dort fest: zuerst sichern, dann optimieren. Die Steuer bestimmt das Wann, nicht das Ob.

Keine Anlageempfehlung, keine Prognose. Diese Seite stellt ein Modell aus dem Buch dar und leitet daraus keine Handlungsanweisung für den Einzelfall ab. Sie enthält keine Aussage darüber, was zu kaufen oder zu verkaufen ist. Alle Zahlen sind Modellrechnungen; die Prozentwerte der Tabelle folgen allein aus der Rechenregel und sagen nichts über Märkte.

Keine individuelle Beratung. S. R. Hermann ist ausdrücklich kein Steuerberater, kein Rechtsanwalt und kein Anlageberater. Jede Auflösung einer Position kann steuerliche Folgen haben; diese sind zeitabhängig und im Einzelfall fachlich zu klären — Primärquellen siehe Quellen.

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